Was passiert, wenn Design nicht erst am Ende einer Entwicklung hinzukommt, sondern dort beginnt, wo Veränderung verstanden und entschieden wird?

FORM/FUTURE 2026 (Tempelhof Airport) hat genau diese Frage aus sehr unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Für mich blieb nach den Vorträgen und Dialogen vor allem eine Erkenntnis:

Transformation braucht Design. Und Design muss sich transformieren, wenn es dieser Aufgabe gerecht werden will.

Alice Rawsthorn beschrieb eine Zeit, in der Design sich auf neuem Terrain beweisen muss: an sozialen, ökologischen, wirtschaftlichen und technologischen Herausforderungen, die sich nicht mehr isoliert voneinander lösen lassen. 

Prof. Dr. Felix Kosok rückte kritisches Design-Denken in den Mittelpunkt: Gestaltung bedeutet nicht nur Antworten zu produzieren, sondern bestehende Annahmen zu hinterfragen und bessere Fragen an Systeme und ihre Wirkungen zu stellen. 

Dr. Nicole Zabel-Wasmuth formulierte eine besonders wichtige Perspektive: Vielleicht fehlt es uns nicht zuerst an Technologie, sondern an Vorstellungskraft. Design kann Möglichkeiten sichtbar und erfahrbar machen und damit aus Zukunft wieder einen gestaltbaren Raum werden lassen. 

Diana Belodedov ging noch einen Schritt weiter: Designwirkung entsteht nicht nur im Designteam. Gerade dort, wo Strategie, Produkte, Organisation und zunehmend KI Entscheidungen verändern, braucht es gestalterische Kompetenz in den Räumen, in denen diese Entscheidungen getroffen werden

Anaïs Guillemané Mootoosamy zeigte am Beispiel von Paris 2024, dass Branding weit über visuelle Gestaltung hinausreicht. Kultur, Identität, Zugehörigkeit und Narrative werden selbst zu strategischen Gestaltungsfeldern – mit langfristiger Wirkung auf Organisationen, Orte und Menschen. 

Und der Dialog von Corinna Gratzl und Julia Klass brachte einen weiteren Schlüssel hinein: Transformation überschreitet Disziplinen. Komplexe Herausforderungen brauchen keine bessere Einzeldisziplin, sondern die Fähigkeit, Perspektiven miteinander zu verbinden. 

Meine Synthese daraus

Design verschiebt sich:

von Form zu Wirkung,
von Lösung zu Wirkungsraum,
von Nutzerzentrierung zu Systemzusammenhang,
von Ausführung zu Entscheidung,
von Disziplin zu integrativer Kompetenz.

Daraus ist mein Transformation Design Playbook entstanden.

Nicht als vollständige Methode und nicht als weiteres Design-Handbuch, sondern als kompakter Impuls für Menschen, die Veränderung verantworten:

Transformation Design gestaltet die Veränderung von Funktionen, Beziehungen und Wirkungen im System.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur:

Was wollen wir verändern?

Sondern:

Was verändert sich dadurch noch?

Genau dort beginnt für mich Transformation Design.

Ich freue mich auf Austausch, Kritik und neue Perspektiven zu einer Kompetenz, die aus meiner Sicht künftig weit über klassische Designbereiche hinaus relevant werden wird.

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