BrainFarming

Denkschule für Zukunftsfähigkeit

Eine Geschichte. Viele Kanäle. Ein smarter Workflow.

Internationales Redaktionsteam diskutiert an einem runden Tisch in einem offenen Newsroom; digitale Anzeigen zeigen vernetzte Text-, Bild-, Audio-, Video- und Social-Media-Workflows.

Wie Livingdocs und KI-gestützte Newsrooms zeigen, was journalistische Arbeit heute schon leisten kann.

Recherchieren. Telefonieren. Schreiben. Redigieren. Bilder suchen. Veröffentlichen. Nächster Auftrag.

So einfach? Längst nicht mehr.

Aus einem Artikel werden Newsletter, Social Posts, Audiobeiträge, vielleicht ein Reel. Produktionszyklen verkürzen sich, Publikumserwartungen verändern sich. Geschichten sollen aktuell, verständlich und über verschiedene Kanäle verfügbar sein.

Und der Tag hat weiterhin 24 Stunden.

Was wäre, wenn nicht unsere Arbeit immer komplexer organisiert werden müsste, sondern unsere Werkzeuge intelligenter zusammenarbeiten würden?

KI mitten im Newsroom

Wie das aussehen kann, demonstrierte Céline Tykve, Head of Business bei Livingdocs, beim Online-Event kress Innovation Day am 8. Oktober 2026.

Ein Artikel entsteht. KI-Assistenten prüfen die Sprache, schlagen Bilder aus dem eigenen Archiv vor, erstellen Zusammenfassungen und analysieren, ob der Beitrag die Informationsbedürfnisse seiner Zielgruppe trifft.

Direkt im Redaktionssystem. Ohne ständige Programmwechsel und Copy-and-paste-Schleifen.

Die Redaktion entscheidet, was übernommen wird. Änderungen bleiben nachvollziehbar. Zugriffsrechte sind definiert.

KI assistiert. Der Mensch führt Regie.

Auch die Veröffentlichung lässt sich intelligenter organisieren: Redaktionelle Auswahl, gepflegte Inhaltslisten und algorithmische Platzierung greifen ineinander. Routinen werden automatisiert, journalistische Entscheidungen bleiben beim Menschen.

Eine Geschichte. Mehr Möglichkeiten.

Der nächste Schritt heißt Liquid Content: journalistische Inhalte strukturiert erstellen und für unterschiedliche Kanäle weiterverwenden.

Ein recherchierter, geprüfter Beitrag bildet die Grundlage. Daraus entstehen eine Audioversion, ein Newsletter, ein Social-Media-Teaser oder ein kurzes Video.

Nicht einfach denselben Text überall ausspielen. Sondern eine Geschichte für unterschiedliche Nutzungssituationen journalistisch neu aufbereiten.

Wie weit sich solche Prozesse bereits vernetzen lassen, zeigt Velora Cycling. In einer Fallstudie beschreibt Medienjournalistin Ulrike Langer einen KI-gestützten Ein-Personen-Newsroom: Recherche-Assistenten, Transkription, Textentwürfe, Quellenzuordnung, Social-Media-Produktion.

Alles miteinander verbunden. Die Endredaktion bleibt beim Menschen.

Die amerikanische Nonprofit-Redaktion inewsource wiederum erweitert ihre journalistischen Beiträge durch redaktionell geprüfte Zusammenfassungen und Audioversionen.

Nicht, weil KI möglichst viel produzieren soll. Sondern weil Menschen Informationen unterschiedlich nutzen.

Beide Beispiele zeigen: Es gibt nicht den einen Future Workflow. Aber viele Möglichkeiten, journalistische Arbeit neu zu organisieren.

Human in the Cockpit

Mehr Technik heißt nicht weniger Journalismus.

Wer prüft Quellen? Wer erkennt Widersprüche? Wer entscheidet über Relevanz, Dramaturgie und Veröffentlichung?

Die journalistische Verantwortung bleibt. Ihre Organisation verändert sich.

Deshalb geht es nicht darum, möglichst viele KI-Tools einzusetzen. Sondern Recherche, Prüfung, Text, Bild, Audio und Veröffentlichung sinnvoll miteinander zu verbinden.

Ob in einem integrierten CMS, durch Plugins oder über individuell vernetzte Anwendungen: Entscheidend ist, dass ein verlässlicher Workflow entsteht.

Einer, der Routinen übernimmt, statt neue zu schaffen. Der Qualität sichert. Und Raum für journalistische Ideen eröffnet.

Nicht jeder neue Workflow ist ein besserer

Eine eingespielte Redaktion funktioniert. Die Abläufe sitzen. Die Produktion läuft.

Aber passen diese Abläufe noch zu den Anforderungen von morgen?

Neue Technologien eröffnen Möglichkeiten. Sie rechtfertigen nicht automatisch neue Investitionen.

Bevor Systeme vernetzt, Werkzeuge eingeführt oder Prozesse automatisiert werden, lohnt sich der Soll-Ist-Abgleich.

Wo entsteht tatsächlich Mehrwert? Welche Arbeitsschritte lassen sich vereinfachen? Wie hoch sind Einführungs-, Betriebs- und Wartungsaufwand? Was verbessert die journalistische Qualität? Welche Investition ist wirtschaftlich tragfähig?

Manchmal genügt es, bestehende Werkzeuge besser miteinander zu verbinden. Manchmal lohnt sich ein neues System. Und manchmal ist es vernünftiger, zunächst nichts zu verändern.

Entscheidend ist, die Möglichkeiten zu kennen, bevor man sich für oder gegen eine Veränderung entscheidet.

Wie zufrieden seid ihr mit euren Workflows?

Wie oft wechselt ihr Programme? Wo werden Informationen doppelt bearbeitet? Welche Routinen kosten unnötig Zeit? Welche Werkzeuge könnten längst besser zusammenspielen?

Und was wäre möglich, wenn Recherche, Text, Bild, Audio und Veröffentlichung zu einem durchgängigen Prozess würden?

Ein guter Workflow schafft Übersicht, Qualität, Handlungsspielraum und Dynamik im redaktionellen Arbeitsumfeld.

Nicht jeder technologische Trend verdient eine Investition. Aber jeder eingespielte Arbeitsprozess verdient gelegentlich eine Überprüfung.

Denn bevor wir fragen, ob wir mit unserer Arbeit zufrieden sind, sollten wir uns fragen:

Passt unsere Arbeitsweise eigentlich noch zu den Anforderungen von morgen?

Quellen und weiterführende Lektüre

Die Praxisbeispiele zeigen unterschiedliche Entwicklungsstände und belegen keine allgemeingültigen Effizienzgewinne.

Bild: KI-generierte Visualisierung / BrainFarming, 2026. Vision eines offenen Newsrooms, in dem Redakteure Themen und Inhalte definieren und mithilfe vernetzter Technologie bearbeiten.


Hi, ich bin Björn Hülbert. Ich schreibe über die Kompetenz und Kreativität, Zukunft nachhaltig zu gestalten.

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